Tethered Shooting beim Headshot & Portraitfotografen?

In der Regel mache ich auf meinem Blog einen großen Bogen um technische Fragen. Denn egal, ob sie ihren Headshot als Businessportrait, Bewerbungsfoto oder auch Profilbild verwenden wollen, meine Kunden interessieren sich für die Bilder, die sie bekommen, nicht für die technischen Bedingungen, unter denen sie entstehen. Zumindest bin ich bislang bei keiner meiner Headshot oder Portraitsessions danach gefragt worden, welche Blitzsynchronzeit meine Kamera hat oder auf welche Farbtemperatur meine Blitze ausgelegt sind.

Insofern mag es besonders befremdlich wirken, dass ich nun ausgerechnet das Thema tethered shooting aufgreife, das selbst viele meiner Kollegen lieber links liegen lassen. Doch anders als Blitzsynchronzeiten und Farbtemperaturen ist tethered shooting tatsächlich für alle interessant, die einen Headshot bzw. ein Portraitfoto von sich benötigen. Ich erkläre gleich weshalb. Zunächst will ich aber die Frage beantworten, was tethered shooting überhaupt ist.

Beim tethered shooting wird die Kamera über ein Datenkabel mit dem Computer verbunden.

Beim tethered shooting wird die Kamera über ein Datenkabel mit dem Computer verbunden.

Am besten lässt sich der Begriff als “kabelgebundenes Fotografieren” ins Deutsche übersetzen. Gemeint ist ein technisches Verfahren der Digitalfotografie, bei dem die Kamera über ein Datenkabel mit einem Computer verbunden wird. Zusammen mit einer geeigneten Software erlaubt das die Kamera über den Computer zu steuern und – in unserem Zusammenhang wichtiger – die Bilder direkt auf dem Computerbildschirm zu betrachten.

Letzteres wäre im Prinzip zwar auch auf dem Monitor möglich, der auf der Rückseite der Digitalkameras angebracht ist. Um die Bilder eines Shootings ausreichend beurteilen zu können, ist der aber viel zu klein – und um mit zwei oder mehr Leuten die Details eines Fotos zu besprechen sowieso.

Bei großen Fotoproduktionen, bei denen die Verantwortung für das Ergebnis auf mehreren Schultern liegt und an denen nicht selten auch der Auftraggeber teilnimmt, ist tethered shooting Standard. Denn es erlaubt allen Beteiligten, die Bilder schon während des Shootings zu begutachten und bei Bedarf einzugreifen, um Änderungen vorzunehmen. So ist sichergestellt, dass am Ende des Shootings auch tatsächlich die Fotos im Kasten bzw. auf dem Datenspeicher sind, die man haben möchte.

Und genau das ist natürlich auch das Ziel einer Headshot & Portraitsession, weshalb nicht einsichtig ist, warum hier auf tethered shooting verzichtet werden sollte. Für mich ist das jedenfalls ein Standard, hinter den ich nicht zurückgehen möchte. Und du solltest deinen Fotografen auch danach fragen.

Tethered shooting erlaubt es mir als Portraitfotografen, meine Kunden schon während des Shootings immer wieder vor den Computerbildschirm zu holen, um gemeinsam mit ihnen die gerade aufgenommenen Bilder zu besprechen. Ich möchte wissen, was meinen Kunden gefällt und was nicht, um sicher zu gehen, dass sie am Ende der Session mit ihren Headshots wirklich zufrieden sind. Ein Businessportrait, Bewerbungsfoto oder auch Profilbild, hinter dem man nicht steht, eignet sich schließlich nicht für Branding, Casting & Business.

Ich nütze den Computerbildschirm aber nicht nur, um während des Shootings das Feedback meiner Kunden einzuholen. Der Computerbildschirm ist für mich zugleich ein unersetzbares Coachinginstrument. Erkläre ich meinen Kunden zum Beispiel, wie sie durch ihre Kopfhaltung ihre Kinnlinie verbessern können, dann kann ich ihnen das Ergebnis gleich auf dem Computerbildschirm zeigen. So lernen sie, sicher vor der Kamera zu agieren, und entwickeln ein Gespür dafür, wie sie ihr Erscheinungsbild beeinflussen können. Denn fotogenes Auftreten ist nicht angeboren, sondern kann tatsächlich gelernt werden, und tethered shooting ist dabei ein unverzichtbares Hilfsmittel.

Wenn du also einen Portraitfotografen suchst, dann erkundige dich unbedingt danach, ob er tethered fotografiert. Warum solltest du auf die Vorteile dieser Technik verzichten?

Und für die Kollegen, die jetzt wissen möchten, welche Soft- und Hardware ich verwende, um kabelgebunden zu fotografieren: Die Software heist Capture One Pro, das Datenkabel und die sonstige Hardware sind von Tether Tools. Nicht-Fotografen können diese Details freilich egal sein...