Was ist der Unterschied zwischen einem Headshot und einem Portraitfoto?

Zu den Fragen, die mir als Headshot- und Portraitfotografen regelmäßig gestellt werden, gehört die nach dem Unterschied zwischen einem Headshot und einem Portraitfoto. Die Frage ist eigentlich nicht richtig gestellt, denn ein Headshot ist ein Portraitfoto. Aber das ist natürlich keine befriedigende Antwort, weil umgekehrt nicht jedes Portraitfoto auch ein Headshot ist. Also anders gefragt: Worin unterscheiden sich Headshots von anderen Produkten der Portraitfotografie?

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Häufig helfen bei derartigen Definitionsfragen formale Eingrenzungen, und das ist auch hier ein guter erster Schritt. Headshots zeichnen sich – der Begriff legt es nahe – dadurch aus, dass sie sich auf das Gesicht der abgebildeten Person konzentrieren und die Umgebung ausblenden. Kopf und Schulterpartie vor unscharfem oder neutralem Hintergrund sind deshalb fester Bestandteil der Bildsprache von Headshots. Doch das findet man natürlich auch bei vielen anderen Portraits, bei denen es sich trotzdem nicht um Headshots handelt.

Neben der formalen Dimension ist es deshalb sinnvoll, den Verwendungszweck von Headshots in den Blick zu nehmen, so dass man zu folgender Definition gelangt: Als Headshot, /ˈhedʃɑːt/, wird im englischen Sprachraum ein Portraitfoto bezeichnet, das das Erscheinungsbild einer Person – insbesondere ihr Gesicht – in realistischer Weise einfängt, um für Branding und Casting verwendet zu werden.

Branding und Casting werden hier sehr weit verstanden. Denn Headshots sind längst nicht mehr auf die Filmindustrie, in der sie als Marketingtool für Schauspieler aufgekommen sind, beschränkt. Sie werden ebenso als Businessportrait auf der Website verwendet wie als Profilbild im sozialen Netzwerk, als Bewerbungsfoto auf dem Lebenslauf oder als Autorenportrait auf dem Buchumschlag, um nur einige Beispiele zu nennen.

In allen diesen Fällen soll der Headshot für die abgebildete Person und ihre Fähigkeiten (bzw. ihr Leistungsangebot) werben. In den allermeisten Fällen heißt das, die abgebildete Person soll kompetent, aufgeschlossen und sympathisch wirken – kurz: den Betrachter für sich einnehmen. 

Natürlich gibt es auch Headshots, die andere Eigenschaften in den Vordergrund stellen, etwa wenn es um Schauspielerportraits geht, die ein bestimmtes Rollenprofil nahe legen sollen. Doch immer geht es darum, eine klare Botschaft im Sinne der abgebildeten Person zu transportieren. Nichts wäre schlimmer, als wenn der Betrachter eines Headshots ins Grübeln kommt, ob die darauf gezeigte Person den Aufgaben, die ihr gestellt werden, auch tatsächlich gewachsen ist.

Headshots lassen sich also als auf Kopf und Schulterpartie beschränkte Portraitfotos verstehen, die für die abgebildete Person werben sollen.

Wie verhält es sich dann mit anderen Bereichen der Portraitfotografie? Eine ähnlich griffige Formel läßt sich hier nicht angeben. Die Spielarten der Portraitfotografie sind zu vielfältig, um sie über einen Kamm zu scheren. Gemeinsam ist ihnen allerdings – und da sind Headshots miteingeschlossen – die Interaktion zwischen dem Fotografen und der zu portraitierenden Person, die ist die Voraussetzung eines jeden Portraits und macht für mich den besonderen Reiz der Portraitfotografie aus. Aber damit sind wir schon beim nächsten Thema.

Wenn du noch mehr zum Thema Headshot erfahren möchtest, empfehle ich dir meinen Blogbeitrag "WAS IST DENN BITTE EIN HEADSHOT?". Und wenn du nicht nur über Headshots lesen, sondern auch einen haben möchtest, dann vereinbare am besten gleich einen Termin bei deinem Headshot und Portraitfotografen in München.